Em Derfje: Burschenverein(e)

(Beitragsfoto – J. Stein 3. v. l.)

Fast in jedem Ort des (rheinischen) Westerwaldes, jedenfalls in den Orten der vereinigten Burschenvereine des Kreises Neuwied (de Boschebund), gab es einen Burschenverein.
Es sei denn, der Ort war von jeher eher katholisch geprägt, dann fand und findet man dort wahrscheinlich Jungesellenvereine (z.B. Irlich o. Leutesdorf).
Gerade heute Morgen surfte ich einige Internetseiten eben dieser vereinigten Burschenvereine an und stellte fest, dass viele Seiten überhaupt nicht mehr erreichbar sind, einige sind völlig verwaist und andere werden schlichtweg nicht mehr oder nur mäßig gepflegt.

Woran das liegt, könnte ich aus der Ferne nur mutmaßen und das möchte ich nun wirklich nicht.

Jedenfalls möchte ich diesen Umstand zum Anlass nehmen und hier ein paar Dinge erzählen, die einen Burschen (-verein) ausmachen und einfach dazu gehören wie der Durst und das Bier.
Überwiegend natürlich anhand meines alten Vereines, dem BV Wollendorf (Wollendorfer Bosche sinn die Beste!).

Beginnen möchte ich mit einem kurzen Aufsatz über „DE HOHD„.

Der Kirmeshut… war und ist zweifelsohne das wichtigste Utensil eines jeden Burschen.
De Hohd wird natürlich nur zum wichtigsten Anlass des Jahres getragen, nämlich an der Kirmes. Oder wie wir sagen, am QUETSCHEKÄRMES… die höchsten Feiertage des Jahres!

Dieser kleine Aufsatz „DE HOHD“ stammt übrigens aus dem Gönnersdorfer „Waschbachtaler Echo 1998“ und verdeutlicht wunderbar, welche Hektik und Panik ausbricht, wenn „de Hohd“ am Abend vor der „Fahrt en de Heck“ nicht aufzufinden ist.

DE HOHD

Für einen Burschen gehört „de Hohd“ zur Kirmes wie der Durst und das Bier. Hier gibt es nur einen Unterschied. Jeder Bursche weiß, wo er sein Bier bekommt. Jedoch „de Hohd“ wird am Freitagabend gesucht. Wo ist „de Hohd„?
Ganz zielstrebig geht es total übermüdet vom „Bändscheroffhänge“ auf den Speicher, dort oben wird „de Hohd“ jeweils nach der vorjährigen Kirmes deponiert.
Wie mögen die Bändchen wohl aussehen? Ja, seit „de Hohd“ mit dem Jungburschen zu ersten Mal in die „Heck“ fuhr, sind die Bändchen am „Hohd„.
Der Griff ins Regal zielt ins Leere.

De Hohd“ ist nicht auf seinem angestammten Platz. Wer hat „de Hohd„, röhrt es vom Speicher, wer hat „de Hohd“ gesehen?
Der Schrei mobilisiert jetzt die ganze Familie. „De Hohd“ muss bei, das Haus wird auf den Kopf gestellt:

De Hohd“ ist nicht zu finden. Gegenseitige Schuldzuweisung heizt die Kirmesstimmung zusätzlich an. Der letzte Kirmessamstag wird versucht in Erinnerung zu holen. Doch da ist nach dem Aufstellen des Baumes vor Hofs Haus ein Riss. Die Bilder fügen sich nicht mehr aneinander. Das wird in diesem Jahr anders. Ganz bestimmt kommt „de Hohd“ sofort nach dem Aufstellen des Kirmesbaumes nach Hause und dort auf den Speicher ins Regal, oben rechts.
Ein Bier bringt erstmal Ruhe in den Bienenkopf. Egal wie, ein „Hohd“ muss her.
Vater trägt leider nur Schirmkappe, da ist nichts zu holen. Aber Onkel Walter hatte doch bei er Beerdigung von der Oma einen richtig steifen Hut. „De Hohd“ mus her.
Schwesterlein kann am besten mit Onkel Walter. Also muss sie los. Angespanntes Warten.
Sie bringt tatsächlich „de Hohd“ vom Onkel, nur nach Kirmes soll er wieder abgeliefert werden.
Oje, wenn der wüsste, was „demm Hohd“ in der Heck so alles passieren kann – egal – für morgen ist „de Hohd“ da.
Auf den Stress muss bei Kleins einer getrunken werden, erzählen darf man den anderen Burschen natürlich nichts von der Aktion zu Hause, sonst macht „Zigga, de Pasdur“ wieder eine Story für die Kirmespredigt daraus.

Aber was liegt denn auf der Schanksäule? Das ist ja „de ahle Hohd„!

Bevor der Eigentümer zugreifen kann, liegt eine schwere Hand auf „demm Hohd„! Erst eine Runde, der lag ein Jahr lang in der Waschküche vom „Schultes“, weil dort das Nachtlager nach dem Aufstellen des Kirmesbaumes im im Vorjahr war.
Jetzt passen die Bilder wieder zusammen. Kein Filmriss, das Bier schadet doch nicht dem Gehirn – Wirt eine Runde – „de Hohd“ ist wieder da.

(Originalseite WASCHBACHTALER ECHO, 1998)

Als ich diesen kleinen Text fertiggestellt hatte, machte ich mich auf den Weg „enned Kabuff“ um dort nach „demm Hohd“ zu schauen.
Mit einem Foto meines alten Hutes wollte ich diesen kleinen Einstieg in die „Welt der Burschen“ abschließen.

Was soll ich sagen?

DE HOHD ES FOTT!!!

WO ES DE HOHD?

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