Em Derfje: Burschenverein Wollendorf – Die Katzeköpp

Im vorangehenden Artikel „Burschenverein Wollendorf – De Kärmesmann“ erzählte ich vom Kirmesmann und davon, wie die Wollendorfer Kirmes beendet wurde (und wird).
Heute geht es darum, wie die Wollendorfer Kirmes (und gerade auch ein Burschenfest in Wollendorf) beginnt.

In aller Früh‘, am Kirmessamstag, macht sich ein kleiner Trupp auf den Weg hoch auf die Wollendorfer Höhen. Im Gepäck, drei Katzenköpfe.

(Ein Katzenkopf ist der Vorläufer der Böllerkanone.
Er wurde bis vor dem Zweiten Weltkrieg benutzt zum Salut-Schießen und als Signalböller verwendet.
Die große, obere Öffnung füllte man mit Schwarzpulver; darauf kamen vorsichtig satt gedrücktes Sägemehl und Papier. Auch das Zündloch wurde mit Pulver gefüllt.
Zum Schießen brauchte man weiter einen gusseisernen Topf voller Holzkohlenglut (Gluthafen) und eine Zündstange.
Diese ist aus Eichenholz und Stahl gemacht und mit einer gekrümmten Spitze versehen.
Der Schütze, meist ein geübter Mann von der Feuerwehr, erhitzte die Spitze der Zündstange in den Gluthafen. Sobald er das Kommando zum Schießen bekam, hielt er den glühenden Haken an das Zündloch des Katzenkopfes, aus dem dann weithin hörbar ein Knall krachend losging.)

Mangels Originalfotos der Vereinskatzeköpp möge dieses Foto zur Anschauung dienen



Mit dem 3-maligen Donnerkrachen sollen die letzten Burschen geweckt werden, die bis dahin noch „em Sölber“ liegen.
Natürlich lässt man auch die Dorfbevölkerung mit diesem Salut wissen, dass die Quetschekärmes (oder das Burschenfest) nun beginnt.
Eigentlich braucht ein Bursche diesen „Weckdienst“ nicht, denn die Heck, für viele der schönste Tag der ganzen Kirmes, verpennt man nicht so einfach.
Der gemeine Bursche war also schon längst „stiwwelstaats„, bevor sich der letzte Donnerhall über dem Rhein verflog. Im besten Fall hatte er zu diesem Zeitpunkt schon ausgiebig gefrühstückt um für den anstehenden und auch anstrengenden Tag eine solide Grundlage zu schaffen.
Die einen schwören auf Speck mit Eier, andere auf Rasselstääner med dick Käs drauf, andere wieder auf Ölsardinen (wobei auch das Öl verzehrt wird).
Ganz andere aßen Salzheringe… für de Brand… also damit man über den Tag ordentlich Bierdurst bekommen sollte.

Jedefalls, hatte man ausgiebig gefrühstückt und alles was man brauchte (das waren bei mir damals Zigaretten, Feuerzeug, etwas Geld und natürlich „de Hohd„) eingesteckt, ging es zum Saal „Zu den zwei Linden“ (später dann ins Zelt).
Dort traf sich der ganz Burschenverein gg. 8 Uhr wieder. Viele Burschen verließen diesen Ort erst gegen 3 Uhr in der Nacht zuvor, weil noch die ein oder andere Erledigung gemacht werden, musste um ein Gelingen der Kirmes zu garantieren. Ich war selten nicht bei diesen Späterheimkehrern, wie ich gerade feststelle, da ich an diese Zeit denke.

Wie auch immer…

Waren alle versammelt, ging es auf folgendem Weg in die Heck (in den Wald). Natürlich zu Fuß!

An dieser Stelle möchte ich mal die Wegstrecke mit ein paar alten Flurnamen entlang des Weges beschreiben.

Wir gingen also vom (ehem.) Saal „Zu den zwei Linden“ die Rockenfelder Str. hoch und bei Nibbergalls (Reifen Niebergall) war für einige die erste Rast angesagt. Wer wollte, konnte hier erstmal einen kräftigen Schluck Bier nehmen.
Ich erinnere nochmals daran, es war nun in etwa zwischen 8 Uhr und halb9 am Morgen.
Weiter ging es dann durch Im Ungefüg den Grabersweg (oder wie wir sagen de Grawe) hoch Richtung Weißes Häuschen.
Aufm Untersten kamen wir an Melsbach’s (heute Pferdehof) vorbei, das Weiße Häuschen In den sieben Graben war jetzt in Sichtweite.

Von hier oben hat man übrigens einen wunderbaren Blick über das gesamte Neuwieder Becken.

Die Schiessbüsch lassen wir links und Am Schiessbüsch und Auf dem Schiessbüsch rechts liegen.
Wir befinden uns nun am Rand des Märkerwaldes.

Als wir aus dem Waldstück heraustreten, können wir bereits den Gebranntehof ausmachen. Wir befinden uns nun Auf dem Gebrannten.
Der unbefestigte Weg führt uns über Weideflächen (Unter dem Mausheckerweg) und schauen wir ungefähr in der Mitte des Weges bevor es wieder in den Wald geht nacht rechts, schauen wir auf die Flur In der Asselswand. Anm: Assels wird bei uns eher langgestreckt ausgesprochen Aasels. Wir nutzen auch nur selten die Flurnahmen und sprechen eher von „em Aasels“ oder „de Aasels“. Wenn es doch etwas spezieller werden muss oder soll, sprechen wir noch vom „Aaselsgrond“. Aber das nur am Rande.

In der Mausheck geht es dann wieder in den Wald… hier ist Märkergebiet! Der Weg schlängelt sich beim Hans-Fred vorbei… rechte Hand Im Beckerhäuschen, linke Hand In Haseneich und dann den Hohlweg (Ober dem Tommbuhrsweg) hoch bis Ober dem Firmbachsweg.

Damit wäre die letzte Steigung bis zum Ziel geschafft! Und das ist auch gut so, denn mittlerweile heizt die Septembersonne doch schon recht ein.
Die restlichen Meter, vorbei Auf der Arzhohl, lassen wir quasi nur noch rollen und schon bald hören wir Stimmen und geschäftiges Treiben die aus Richtung Christianshütte zu uns herüberschallen.
Die Vorhut, bestehend aus em Hecke-Wirt und ein paar ehemaligen Burschen, hat schon alles vorbereitet. Das Feuer brennt, Essen steht bereit und viele Biere sind frisch angezapft an de provisorische Thek und warten auf die Burschen.

Und genau darauf freuen wir uns nun alle sehr… auf ein frischgezapftes, kühles Bier!

De Quätschekärmes kann beginnen!

Den Kirmes-Samstag verbringen wir dort oben im Märkerwald an der Christianshütte damit den Kirmesbaum und die Aufsteller zu schlagen, zu essen und zu trinken, Lieder zu singen und en Wollendorfer Bosch ze sein.

Doch das ist eine ganz andere Geschichte.


Nachtrag:
Das Schießen mit Katzenköpfen wurde deutschlandweit immer wieder wegen zahlreicher Unfälle verboten.
Deshalb ist es heute eigentlich nicht mehr üblich mit Katzenköpfen zu böllern. Sie werden nur noch zu besonderen Anlässen wie zum Burschenfest (alle 5 Jahre) eingesetzt.
Als (wenn auch schlechter) Ersatz dienen heutzutage (wenn überhaupt) Signalpistolen mit Schallmessmunition (o. ä.).
Wahrscheinlich wird in Zukunft irgendein Messenger die traditionelle Methode ersetzen.

Das wäre eine Schande!

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