Em Derfje: Wenn die Sohlen dampfen!

Der kleine Aufsatz von Julie Strubel wurde erstmals in “Blitzlicht – Die kleine Zeitung des SPD-Ortsvereins Feldkirchen” 1/1988 (August) abgedruckt. (Originalausgabe Archiv Stein)

Da, wo wir im Frühling nach Maiglöckchen suchten, ziert ein großes “R” etliche stämmige Bäume.

„Das zeigt sicher nach Rockenfeld”, sagte ich ahnungslos und wurde freundlich ausgelacht.
R = Rockenfeld? Denkste! Das heißt “Rheinhöhenweg”, und den gibt’s hier von Wiesbaden bis Beuel und auf der “Schäl Sick”, also gegenüber, von Bonn bis Oppenheim.

Den wollten wir mal so richtig kennenlernen, drum erstanden wir das spezielle Kompaß-Wanderbuch plus Wanderkarte und machten uns auf die Socken.
Von Feldkirchen ist ein guter Fußgänger “einzweidrei” am Limes. Wenn ich das Wort nur höre, bin ich auch schon in der Schulzeit und lerne was von den Römern. Schon fällt mir das kecke Liedchen ein: “Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden…”
Munter schreiten wir also ein Stückchen des Limes entlang und kommen zur Christianshütte, wohin die SPD immer zum 1. Mai zu einer kräftigen Erbsensuppe einlädt, oder wo Wanderer dann bei einem kleinen Imbiss gerne verweilen und noch einen kräftigen Schluck trinken zur Stärkung für den Weg.

Erster Mai an der Christianshütte 1989 (copyright unbekannt)

Woher der Name kommt?
Ei, der damalige Gönnersdorfer Bürgermeister Christian Jung hatte die Idee zur der Hütte und ließ sie bauen.

Es geht nichts über den Rennweg am Wegweiser entlang zum Schloß Monrepos. Hier sind unter vielen anderen die etwa 300 Jahre alten riesigen Mammutbäume zu bewundern, die Prinz Maximilian zu Wieder von seiner Forschungsreise aus Amerika als Sämlinge mitbrachte. Sicher weiß jeder Neuwieder einschließlich der Randschärjer, dass hier Prinzessin Elisabeth, die spätere Königin von Rumänien, geboren wurde und ihre Jugend verlebte.

Sie, die als ‘Carmen Sylva’ zu Dichterruhm gelangte, hatte sich bestimmt nicht träumen lassen, dass heute im Schloss (Prinzessinnenhaus) ein einzigartiges Museum eingerichtet ist mit den einmaligen Funden aus der Gönnersdorfer Eiszeit.

Nun aber vorwärts, erfreulicherweise geht’s bergab ins Tal der Wied. Es ist Sonntag, und auf den Waldwegen begegnen uns viele Familien mit Kind und Kegel. Plötzlich knackt es unter uns in den Büschen. Ich schrecke auf und zähle: drei, vier, fünf Rehe! Nun sehen sie uns auch, und das größte Tier sagt erschrocken: „BÖH!” – und haut samt Familie ab. Ha, das waren Hirschkühe!

Unten plätschert die Wied, wir wandern bei Friedrichstal über die Brücke, und dann geht’s leider ein ziemliches Stück die Straße entlang.

Vorsicht, Sonntagsfahrer!!!

Wir kommen an den Laubach-Wasserfall schön steil den Berg rauf nach Melsbach. Ein bißchen aus der Puste, freuen wir uns über die Elisabeth-Höhe mit der Hütte, machen eine Verschnaufpause und packen ein paar leckere Sachen aus unseren Rucksäcken.
Durch blühende Felder geht’s nun nach Rengsdorf auf dem “Schau-ins-Land”.
Kaum drin – Chaussee überqueren – schon wieder draussen. Nach kurzer Rast in einem netten Weinlokal wenden wir uns dem steilen Pfad zu, der an den Engelbach führt.
Da geht’s lange am munter plätschernden Wasser im kühlen Halbdunkel schön flach bis Oberbieber daher.

Welch ein Glück, es fährt noch ein Bus.

Wir freuen uns trotz der Blasen auf eine Fortsetzung.

So könnte 1988 (grob skizziert) Julie’s Wanderweg ausgesehen haben.

(Aufsatz von Julie Strubel in der Augustausgabe Blitz-Licht, 1988)

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